Der 1. Törn

Ich hätte nicht gedacht, das es so anders ist. Das mit dem Eigner sein und das mit dem Chartern. Und damit meine ich nicht die oft gelesene Aversion der Eigner gegenüber den Charterern. Nein, dazu war ich zu lange Charterer, um meine Meinung zu ändern und so zu denken, wie es wohl einige Eigner tun.

Es ist viel mehr das Gefühl. Das fängt schon bei der Vorbereitung des Törns / Urlaubs an. War bisher immer die Vorfreude auf den nächsten Törn riesig und hat man seine Zeit damit verbracht, sich über das Revier zu informieren und viele schöne Orte zu finden, an denen man seine doch so kostbare Zeit verbringen möchte, denkt man als Eigner eher an die To-Do-Liste, die immer länger wird. Und an Neuerungen, die man noch gerne hätte. Ganz zu schweigen von den Wartungsarbeiten, die man noch ausführen möchte. Und den Kosten. Als Charterer hat man daran nicht einen Gedanken verschwendet. Man akzeptiert die Ausstattung des Schiffes so wie sie ist. Und macht das Beste draus.

Weiter geht es mit der Anreise und dem 1. Abend an Bord. Ist beim Chartern die Vorfreude enorm und wird man mit Glückshormonen überschüttet, denkt man als Eigner eher an die Arbeit, die einem erwartet. Und das Gefühl beim 1. Schritt aufs Schiff ist auch komplett anders. Als Charterer fängt jetzt eine begrenzte und sehr kostbare Zeit an. Das Gefühl hat man als Eigner nicht. Oder nicht so stark. Weiß man doch, das man ein Zeitmillionär ist. Zumindest glaubt man fest daran.

Das es wirklich so anders ist, als Eigner, hätte ich nicht gedacht.

Aber es gibt auch Dinge, die sind wie früher. Als man noch gechartert hat. Zum Beispiel der 1. Kaffee im Cockpit bei angenehmen Temperaturen.

Oder bei einem schwachen Wind und voller Besegelung über das IJsselmeer gleiten.

Skipper glücklich

Nach vielen Tagen in der Marina kehren beim ersten Schlag die Glückshormone zurück. Jetzt fühlt sich die Entscheidung, die Jan zu kaufen, wieder total richtig an.

Seit dem Kauf der Jan waren wir (fast) ausschließlich zum Arbeiten an Bord. Das Segeln ist, auch aufgrund der Corona Pandemie, weit in den Hintergrund gerückt. So sinkt meine Motivation doch sehr. Erst als wir unseren 1. richtigen Segeltag bei bestem Wetter und einer leichten Brise erleben, kehren sie zurück, die Glückshormone.
Wir treiben mehr als wir segeln und so legen wir nur knapp 9 sm zurück. Die Entscheidung, nach Stavoren binnen zu schleusen und uns dort an die kleine Insel im Binnenhaven Stavoren zu legen war goldrichtig.
Wir machen einen kleinen Spaziergang bis zum IJsselmeer und genießen die Abendsonne bei einem leckeren Eisbecher auf der Terrasse vom Restaurant De Kruitmolen.

Als wir in der wärmenden Sonne, sehr geschützt auf der Terrasse sitzen ist die Welt wieder in Ordnung. Wir genießen diesen Tag sehr. Nach 3 Monaten sind wir endlich unterwegs und erleben schöne Stunden auf der Jan.

Auch die nächsten 4 Tage sind Urlaub pur. Wir segeln über Enkhuizen nach Hoorn und mit einem großen Schlag wieder zurück nach Workum.

4 Kommentare

  1. Hallo Charly, das hast du alles sehr treffend beschrieben.
    Hin und wieder chartere ich auch und sehne mich in aller Regel sehr schnell wieder nach meinem eigenen Schiff. Als Eigner sollte eine gewisse Begeisterung für die Arbeiten am Boot vorhanden sein oder man verfügt über unbegrenzte finanzielle Mittel.
    Euch noch einen schönen Törn.
    VG Ralf

  2. Sehr schöner Bericht, aber ein paar wirklich wesentliche Unterschiede hast du nicht aufgezählt. Was mich zum Schluss beim Chartern genervt hat war der Umstand, jedes Mal sein gesamtes Sack und Pack zum Boot mitnehmen zu müssen und dann wieder runter. Mit dem Ein-/Ausräumen und den lästigen Übergaben war ein Tag des Urlaubs schon mal weg. Dann bin ich nun mal ein sehr gewissenhafter Skipper und übergebe dem Vercharterer bei der Rückgabe meist eine Liste der bei der Übernahme des Schiffs nicht aufgefallenen Mängel. Nach einem echt prägendem Ereignis mit dem Vercharterer in deinem Heimathafen (Workum?) viel die Entscheidung, lieber Eigner zu werden. Es wurde behauptet, ich hätte die Schäden alle selbst verursacht und sollte einen kompletten Fallenstopper-Block einer 37´er ersetzen, weil einer der total porösen und angeknacksten Hebel abgebrochen war. Nach einer ewig langen Diskussion kam der Vercharterer plötzlich mit einem Ersatzhebel um die Ecke (ich hatte ihn darauf hingewiesen, dass man einen Ersatzheben für 20,- Euro im Internet bekommt). Mein Angebot, den Hebel einzubauen wurde abgelehnt – das könne ich nicht, das sei viel zu schwer – Ja gut, er konnte ja nicht wissen, dass ich dazu sogar ein vorzügliche Ausbildung besitzte. Ich musste am Ende 50,- berappen. Zum Glück haben die den Laden in dem Jahr zu gemacht. Heute betreibt den Laden jemand anderes. Gibt es die „Manajas“ eigentlich noch?
    Ok, kommen wir also zu den Vorteilen des eigenen Schiffs – Du weißt, was dich erwartet, wenn du an Bord kommst! Du kannst vieles an Bord lassen und fährst dann am Wochenende ganz entspannt mit einer Reisetasche zum Schiff anstatt das Auto bis zum letzten Winkel vollzupacken. Du weißt, dass die Technik dich nicht im Stich lässt und das die Festmacher auch lang genug sind, um mal bei Seitenwind über eine Seewärtige Achterspring ordentlich wegzukommen usw. usw.
    Für uns aber noch viel wichtiger: Du kannst spontan entscheiden segeln zu gehen. Es war ausgerechet auch der Chartertörn auf der Manajas, bei dem wir 2 Tage in Stavoren bei 7-9 Bft festgesessen haben (mit Kindern an Bord tue ich mir das nicht an). Heute sagen wir uns: Egal, dann verschieben wir den Urlaub um 1 oder 2 Wochen, da ist besseres Wetter.
    Ich könnte noch seitenweise weitere Vorteile aufzählen…

    1. Hallo Chris,

      also die Manajas habe ich in der Charterflotte schon lange nicht mehr gesehen. Ende 2016 haben die Henneböhls aufgehört. Leider ist Wolfgang (Henneböhl) knapp 6 Monate nach dem Start in seine Rente gestorben. Danach das Chartergeschäft zuerst Frans (Sytsma) für 3 Jahre übernommen. Jetzt gehört es Michiel (van Kesteren), der 2020 mit Corona einen denkbar schlechten Start hatte. Der Name Poule Yachting ist vom Markt verschwunden. Seitdem heißt die Firma @Sail Yachting.
      Was Du über das eigene Schiff erzählst ist eigentlich richtig. Allerdings ist mein Kofferraum im Moment voller als zu Zeiten, in denen ich noch gechartert habe. Ich hoffe jedoch, das sich dies im Laufe der Zeit ändert. Und man kann leider niemanden eine Liste mit den festgestellten Problemen geben, sondern muss sich um jedes Problem selber kümmern. Das ist nicht immer so einfach. Ist dies doch eine für mich vollkommen neue Welt. Und die alte Weisheit gilt immer noch: Kleines Schiff, kleine Sorgen, großes Schiff große Sorgen.

  3. Hi Charly,

    du schreibst:

    > Allerdings ist mein Kofferraum im Moment voller als zu Zeiten, in denen ich noch gechartert habe.

    Glaub‘ ich dir unbesehen. Ich bin in den letzten 20? *denk* nein, 19½ Jahren oft genug mit einem gewissen Eigner in dessen Auto nach Hindeloopen gefahren – oder in einem anderen mit einem Zwischenstopp vor seiner Haustür, um das eine oder andere bei uns einzuladen. Mein Bild mag natürlich verzerrren, dass das oft der Aus- und der Einwinterungstörn war, aber einzelne Törns zwischendurch waren auch dabei. Er hatte *seine* *Segel*-Klamotten natürlich auf dem Schiff, ebenso Werkzeug, aber das war’s schon, was nicht hin und her fuhr. Im Zweifelsfall hat er die Dauervorräte aufgefüllt, wenn er nichts zum basteln dabei hatte…

    Dafür weißt du als Eigner, dass (und wo) es einen Bootshaken und Bilgepumpen gibt, und dass der Umhängegurt des Fernglases dran ist.

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