PAN PAN – PAN PAN – PAN PAN

– die DGzRS schleppt die JvG in den sicheren Hafen.

Es sollte eine weitere Etappe Richtung Winterlager werden. Doch es kam ganz anders. Und wie immer war es eine Verkettung von Problemen, die dazu führte, das wir die Hilfe der DGzRS in Anspruch nehmen mussten. Doch ich berichte mal von Anfang an.

Dienstag, 05.10.2021

Es soll früh los gehen. 35 sm liegen vor uns. Wir liegen in der Marina Wendtorf und wollen nach Heiligenhafen. Leider ist das Schießgebiet Todendorf aktiv und für die Schifffahrt gesperrt. D.h. für uns einen Umweg von 5 Seemeilen und insgesamt 35 sm. (die aktuellen Infos zu den Schießgebieten gibt es bei der DWD, auf Kanal 11 (7.30. 11.00, 15.30), bei Todendorf Radio oder den Patrouillenbooten.

Wir starten früh. Naja, für manche ist 9 Uhr eher spät (für uns aber nicht ;-). Zuerst fahren wir unter Maschine bei (fast) glatter See gegen eine leichte Brise aus Ost. Dann dreht der Wind auf SE und frischt auf. Wir können die Segel setzen und hoch am Wind geht es zur nördlichen Begrenzung des Schießgebietes. Da ich mein AIS aktiv habe, werde ich prompt von einem Patrouillenboot angefunkt und gefragt, ob mir die Sperrung des Schießgebiets bekannt wäre? Und der Hinweis, ich soll alle gelben Tonnen an Steuerbord lassen.

Der Wind frischt immer mehr auf und wir müssen reffen. Zuerst nur das Groß, danach auch die Genua. Nach einer Pinkelpause, zu der ich beidrehe, fällt der Ruderlagensensor aus. Für uns heißt das, ab jetzt selber steuern. Und das noch mind. für die nächsten 5 Std.

Am Horizont baut sich eine Böenwalze auf, die viel mehr Wind und Regen verspricht. Schneller als gedacht ist das schlechte Wetter da. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell das Wetter sich ändern kann. In der einen Minute ist es noch schönstes Segeln bei gutem Wind und wenig Welle. In der nächsten findest Du Dich in einer Hexenküche mit viel zuviel Wind, einer konfusen See und einer ordentlichen Welle wieder.

Wir erreichen den nördlichsten Punkt von Todendorf. Ab jetzt geht es gegenan. Wir bergen das Vorsegel und ich starte die Maschine.

Doch was ist das? Der Diesel springt zwar problemlos an, Gas geben kann ich auch. Aber wir haben keinen Schub. Ich tippe auf einen gebrochenen (oder gelösten) Bowdenzug. Doch bei dem inzwischen starken Wind und der Welle, die uns hin und her schmeißt, kann ich nicht nachschauen. Wir müssen erstmal wieder steuerfähig werden, denn inzwischen sind wir bis in den Kiel-Ostsee-Weg gedriftet. Und hier kommt ein Schiff nach dem anderen durch. Und die sind sehr schnell.
Wir setzen wieder das Vorsegel und da ich keine Chance sehe, bei diesem Wind Heiligenhafen zu erreichen, drehen wir um und segeln erst einmal zurück Richtung Wendtorf.

Da ich keine Telefon-Nr. von der Marina Wendtorf finde, rufe ich meinen besten Freund Gordo an. Er soll den Hafenmeister informieren und heraus finden, ob er uns in den Hafen schleppen kann. Und natürlich schlägt auch hier wieder Murphey zu. Der Hafenmeister hat einen Notfall in der Familie und so läuft nur ein AB, den niemand abhört. Als mir klar wird, das wir wohl heute den Hafenmeister nicht erreichen können, entschließe ich mich, Hilfe bei der DGzRS anzufordern. Jetzt bewährt sich die SafeTRX App. Ich brauche nur auf die Taste Hilfe drücken und werde mit der Zentrale verbunden. Da ich über die App anrufe, hat mein Gesprächspartner alle Informationen über uns. Inkl. der Schiffsdaten, der aktuellen Position, Kurs und Geschwindigkeit (Mobildaten-Verbindung vorausgesetzt!). So brauche ich nur zu erzählen, was uns passiert ist und welche Hilfe ich gerne hätte. Und an dieser Stelle einmal vorweg. Ja, die App braucht eine Mobilfunk-Verbindung und ersetzt auf keinen Fall das VHF-Funkgerät. Aber ich finde sie sehr hilfreich und man soll, das ist meine Meinung, alle technischen Hilfsmittel nutzen, die die Sicherheit während des Segelns erhöhen. Man muss sich nur über die Möglichkeiten und Grenzen im Klaren sein.

Doch zurück zu unserem Notfall. Der freundliche Helfer am anderen Ende der Leitung sagt: Kein Problem, er informiert das DGzRS-Schiff vor Ort (in unserem Fall den Rettungskreuzer Berlin von der Station Laboe)

Da wir noch ca. 2 Std. bis wir zur Einfahrt nach Wendtorf brauchen, meldet sich die Berlin erst nach 1 1/2 Std. Inzwischen hat der Wind nachgelassen und in der Nähe vom Land wird auch die Welle immer weniger, aber es regnet immer noch, es ist saukalt und mein Schatz ist am Ende ihrer Kräfte. Also nehme ich die Hilfe der DGzRS gerne an und 10 Min. später sehe ich das Tochterboot der Berlin, die Steppke, in Marschfahrt auf uns zulaufen.

Der Rest ist schnell erzählt.

Wir bergen die Segel und 5 Min. später hat uns die Steppke in Schlepp genommen. Eine knappe 1/2 Std. später erreichen wir den Hafen und die Seenotretter bringen die Jan behutsam längsseits. Jetzt nur noch den Papierkram erledigen und schon sind unsere netten Helfer wieder weg.

Wir legen noch Strom und dann geht es unter Deck ins Trockene. Die Anspannung fällt ab und langsam sinkt auch der Adrenalinspiegel. Wir essen eine Kleinigkeit und dann sind auch meine Batterien leer. Alles andere kann bis morgen warten.

Am nächsten Tag untersuche ich das Problem. Wie vermutet liegt das es an der Schaltung. Dort ist die Halterung ces Bowdenzugs, die leider aus Plastik besteht, gebrochen. Ich kann es ausbauen und finde im Internet das passende Ersatzteil. Das wird über den ortsansässigen Bootsbauer bestellt und sollte in spätestens 2 Tagen geliefert werden.

Nachträglich betrachtet hätte ich die Hilfe der DGzRS nicht gebraucht. Und das aus 2 Gründen. Ich hätte den Vorwärtsgang am Saildrive manuell einlegen können. Dann hätten wir den Schlag nach Heiligenhafen nicht abbrechen müssen.. Und eine Möglichkeit, ohne viel zu manövrieren, in Heiligenhafen anzulegen, hätte es bestimmt gegeben. Und da sich das Wetter bis wir Wendtorf erreicht haben, sehr beruhigt hatte, wäre es sogar möglich gewesen, unter Segel anzulegen.

Aber wir waren doch sehr froh, das die DGzRS uns so professionell geholfen hat. Da rundet man den Betrag, den es kosten wird. gerne großzügig auf.

2 Kommentare

  1. Seid froh das es so gut ausging. Um „hätte“ und „könnte“ muss man nicht nachtrauern. In solchen Situationen muss eine Entscheidung getroffen werden. Das es oftmals Kleinigkeiten sind, die einem das Leben schwer machen ist so. Aber ein Hoch auf die DGzRS!!!
    Wie ging es denn eigentlich mit dem Ruderlagesensor weiter?

  2. Hallo lieber Skipper Charly,
    da weiß man doch wofür man an die DGzRS spendet, freut mich, dass so gut geholfen wurde.
    Wußte gar nicht, dass da Schießgebiete sind.
    Liebe Grüße aus dem Spreewald von eyedoc

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