Bruch vom Vorstag

Mittwoch, 10.09.2025

Vlieland – Terschelling – Harlingen 62,5 sm / 13:23h

Am 10.09.2025 ist auf dem Weg von Vlieland nach Texel das Vorstag der Jan gebrochen!

Das Unglück ereignete sich westlich von Texel auf der Nordsee. Es herrschten ideale Segelbedingungen. Wind aus SSE mit 4-5 Bft., so gut wie keine Welle und blauer Himmel.

Wir hatten gerade das Groß gerefft, da wir den Kurs etwas korrigieren und höher an den Wind mussten, als es einen lauten Knall gab und der Mast begann, nach hinten zu kippen.

Ich befahl Bernd, der am Steuer stand, auf Vorwind-, bzw. Raumschot-Kurs zu gehen. Dann robbte ich nach vorne und konnte das Spinnakerfall an der BB-Klampe befestigen. Dann kam auch schon das Vorsegel mit dem Vorstag runter. Es legte sich aber brav an backbord entlang dem Süllrand.

Nachdem der Mast, zumindest provisorisch, gesichert war, schicke ich Bernd und Viktor unter Deck und informiere das MRCC Bremen mit der SaveTRX-App über den Vorfall. Gottseidank hatte ich noch ein gutes Mobilfunknetz.

Der RC informierte umgehend das MRCC Den Helder. Jetzt lief die Rettungskette sofort an. Die Schlepperfirma NOORDGAT mit Sitz in West-Terschelling fing die Alamierung auf und schickte den Schlepper Huricane zu der Unglücksstelle.

Aus De Cocksdorp kommt das Rettungsboot der KNRM. Doch obwohl De Cockdorp viel näher, ist der Schlepper als erstes vor Ort. Immerhin 46 kn macht er mit seinen 2 x 1500 PS.

Ich habe immer gedacht habe, das ich mich von einem privaten Schlepper nicht „überrumpeln“ lasse, passiert es mir doch.

Theis kommt an Bord und übernimmt die Leitung. Wir gehen kurzfristig auf das inzwischen eingetroffene Rettungsboot der KNRM, während die Jan in Schlepp genommen wird.

Der Schlepper nimmt Fahrt auf und mit 6 kn schleppt er die Jan nach West-Terschelling.

Wir werden an Bord des Schleppers gebracht und sind so außer Gefahr. Selbst wenn der Mast jetzt noch fällt.

Doch er bleibt stehen. Nach knapp 4 Stunden stehen wir vor der Hafeneinfahrt von West-Terschelling. Die Jan wird längsseits genommen und vorsichtig in den Hafen bugsiert. Dort wird sie längsseits an den großen Schlepper Hunter gebracht.

Der Chef kommt höchstpersönlich an Bord und gemeinsam stabilisieren wir den Mast mit dem Großfall und dem Fockfall. So können wir ihn auch fast wieder senkrecht stellen. Das sieht schon wieder sehr stabil aus.

Simon, der Chef von NOORDGAT setzt sich mit der Atlantic Werft in Harlingen in Verbindung. Da für die nächsten Tage Starkwind und Sturm angesagt ist und der Schaden auf Terschelling nicht repariert werden kann, empfiehlt uns die Werft, noch am gleichen Abend nach Harlingen auszulaufen.

Ich überlege kurz und entscheide mich dann fürs Auslaufen. Schnell sind die Formalitäten erledigt und wir machen uns auf den Weg. Leider funktioniert das Buglicht wieder nicht (Wackelkontakt), aber ich habe ja noch das 3-Farben Licht auf dem Top. Nicht ganz korrekt, aber Hauptsache wir werden gesehen. Außerdem läuft mein AIS noch.

Noch eine Stunde lang ist es hell genug, um auch die unbeleuchteten Tonnen zu sehen. Bis dahin sind wir im „Blauwe Slenk“, der gut beleuchtet ist und uns bis nach Harlingen bringt.

Kurz vor 23 Uhr machen wir am Wartesteiger vor der SAS-Brug fest. Ich hole mir über Funk die Erlaubnis vom Havendienst Harlingen, das ich bis morgenfrüh hier liegen bleiben darf.

Dann gibt es noch einen späten Anleger, etwas zu essen und weit nach Mitternacht fallen wir total fertig in die Kojen.

In meinem Blut schwappt aber immer noch genug Adrenalin so daß ich nicht sofort einschlafen kann. Außerdem summen und brummen die 3 Fallen doch recht laut im aufkommenden Wind.

Zufrieden, das Abenteuer ohne Verletzungen überstanden zu haben, schlafe ich dann doch irgendwann ein.

Donnerstag, 11.09.2025

Harlingen – Sneek

Am nächsten Morgen windet es ganz gut. Wir sind froh, das gestrige Wetterfenster genutzt zu haben und jetzt schon in Harlingen zu sein.

Allerdings ändern wir unseren Plan, die Jan hier in Harlingen reparieren zu lassen, sondern machen uns auf in den Heimathafen der Jan nach Warns.

Ich informiere den Havendienst über unseren neuen Plan, versuche noch in Harlingen zu tanken (finde aber den Ponton mit den Tanksäulen nicht mehr) und dann stehen wir vor der Schleuse nach binnen. Die läßt uns recht lange warten und auch die Anrufe über UKW werden erst nach mehreren vergeblichen Versuchen beantwortet.

Doch dann gehen die Tore auf und 10 Min. später sind wir im Kanal nach Leuwaarden. Jetzt geht es von Brücke zu Brücke.

Wir schaffen es bis Sneek. Dort ist die Brücke doppelt rot. Also machen wir im Gemeendehaven Sneek Centrum fest. Kaum haben wir alle Leinen belegt, kommt auch schon eine sehr nette Hafenmeisterin an und kassiert das Liegegeld. Für 29 Euro dürfen wir eine Nacht bleiben. Und einen kostenlosen Restaurant-Tipp bekommen wir auch noch.

So laufen wir die 10 Min. bis zur Marktstraat, dem touristischem Zentrum von Sneek, setzen uns ins Markt 23 und bekommen 10 Min. bevor die Küche schließt (21 Uhr!), noch etwas zu essen.

Pizza und Burger sind gut, nix zu meckern. Außer dem Preis. Ist schon fast unverschämt, was inzwischen verlangt wird.

Freitag, 12.09.2025

Sneek – Warns

Heute nehmen wir die letzte Etappe in Angriff. Leider vergesse ich, in Sneek zu tanken. Als es mir auffällt, sind wir schon durch Sneek und haben keine Lust, alle Brücken durch Sneek noch 2 x zu passieren. Also werde ich versuchen, in Heeg zu tanken. Mal schauen, ob das klappt.

Jetzt fahren wir die nächsten 2 Std. durch das schöne Friesland. Sonnenschein wechselt sich mit kurzen Wolkenbrüchen ab. Ich stelle fest, meine Segeljacke ist nicht mehr dicht. Also ist eine Neue fällig. Oder ich versuche einmal, ob man sie aufarbeiten kann.

In Heeg biegen wir Richtung Tankstelle ab. Es wird flach und flacher. Dann muss ich mehr Gas geben, um mich durch den Schlick bis zur Tanksäule vor zu arbeiten. Auf dem letzten 1/2 Meter geht nix mehr. Aber es reicht um von Bord zu kommen. 75 Liter Diesel verschwinden im Tank der Jan. Nach meiner überschlägigen Berechnung müsste es mehr sein. Aber 75 l. reichen locker für die restliche Strecke.

Wir erwischen natürlich noch eine weitere, kräftige Schauer. Dann sind wir zurück in Warns und ich parke die Jan elegant ein. Ein perfektes Manöver. Leinen über, Fender raus, Maschine aus. Nach 10 Tagen, 166 sm und einem gebrochenen Vorstag sind wir wieder zurück. Gesund und unverletzt. Das ist die Hauptsache.

Ich informiere noch Han und verabrede mich für den nächsten Tag. Dann gehen wir ins Groete Pier und lassen uns vom Koch mit leckerem Fisch verwöhnen.

So endet der Törn mit Bernd und Viktor. Trotz dem Bruch unseres Vorstags und den daraus ergebenen Änderungen unserer Route sind wir zufrieden und glücklich.

Und werden auf jeden Fall weiter segeln.

Jetzt warte ich auf die Kostenvoranschläge und das OK der Versicherung. Und sobald alles repariert ist geht es weiter.

3 Kommentare

  1. Trotz allem, gut reagiert. Keine Verletzten und das Schiff schwimmend nach Hause gebracht. Adrenalin hält wach. Ich drücke dir die Daumen, daß deine Versicherung bezahlt. Bis zum Herbsttörn wird es wohl repariert sein. ‍♂️

  2. Das ist spannender als der Roman, den ich z.Zt. lese. Zum Glück bei Euch mit Happy End. Alle gesund und ihr habt Euch die Laune nicht verderben lassen. Großartig! Charly, Du hast wieder einmal gezeigt, was für ein super Skipper Du bist. Das erfreut doch jeden Schmiernippel . Alles Gute!

  3. Auch für mich war der Bericht sehr spannend und interessant. Du hast alles sehr professionell gemeistert. Die Frage für mich stellt sich, wo genau ist das Stag gerissen? Hätte man im Vorfeld eine Schwachstelle erkennen können.
    Alles gute Charly

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